Hinter jedem guten Produkt steckt der Wille, es ein wenig besser zu machen, als das, was es schon gibt. Und natürlich die Menschen, die eben daran arbeiten. Die Idee hinter der MAYA Kaffeerösterei ist einfach: Wir verkaufen einen handwerklich veredelten Premium-Kaffee, der allen Spaß bringt: Den Bauern, die unseren Kaffee anbauen, weil wir ihnen einen fairen Preis zahlen.

 

Mexiko Januar 2015

 

 

Wie immer haben wir uns auch dieses Jahr auf Ursprungsreise zu unseren Bauern begeben. Über Amsterdam und Panama sind wir nach Guatemala City belangt, wo wir von Milvia und Dethlef Cordts in Empfang genommen wurden. Dethlef arbeitet seit 30 Jahren als Kameramann und Redakteur für den NDR und berichtet weltweit aus Krisenregionen. In diesem Zusammenhang hat er vor 5 Jahren, als er aus der Krisenregion Guatemala Lampocoy berichtet hat, seine heutige Frau Milvia kennengelernt, deren Familie Kaffeebauern in Lampocoy sind. Er hat auf eigenes finanzielles Risiko ein Kaffeeprojekt ins Leben gerufen, welches umweltfreundlich, sozialverträglich und direkt gehandelt ist (www.cafecita.eu) und zum Ziel hat, ohne dass er daraus irgend einen finanziellen Nutzen zieht, die Lebensumstände der Bauern und deren Familien auf ein menschenwürdiges Niveau zu bringen.

Vorweg: Der Kaffee wird ohne jeglichen Einsatz künstlicher Düngemittel oder Pestizide angepflanzt, ist aber nicht bio-zertifiziert. Dieses Thema hat Detlef mit den mittlerweile 32 Familien immer wieder besprochen. Zuletzt scheitert es daran, dass die Bauern größtenteils nicht lesen und schreiben können und daher die notwendigen Dokumentationspflichten einer Bio-Zertifizierung zur Zeit nicht erfüllt werden können. Da wir aber dieses Projekt schon seit seiner 1. Stunde mit begleiten und den Kaffee in unserer Rösterei verkaufen, haben wir den Weg über Guatemala nach Mexiko gewählt.

Die erste Station war der Besuch des Beneficios (wörtlich übersetzt = Verbesserungsanlage) der Kooperative in La Union im Lampocoy. Hier wird das Fruchtfleisch der Kaffeebohnen abgequetscht, und danach wird der Rohkaffee für ca. 36 Stunden im Fermentationsbecken aufbereitet. Danach wird der Kaffee über Wasserkanäle gereinigt, nach Größe und Qualität sortiert und unter ständigem Wenden in der Sonne getrocknet. Im Anschluss wird er abgesackt und weitergeschickt zum von uns dann besuchten Beneficio der Camek in Guatemala City. Hier wird der Kaffee geschält, wiederum sortiert, verlesen und nach Kennzeichnung ebenfalls per Hand zur Verschiffung vorbereitet.

Anders als in Mexiko –wie wir später feststellen mussten- hat es in Guatemala eigentlich durchgehend geregnet, und dies schon seit Dezember des letzten Jahres.

Wir sind dann auf der Ladefläche eines Pick-Ups 5 Stunden durch den Dschungel mehr geholpert als gefahren und besichtigten dann unter anderem die Plantage von Don Jacobo, der diese im Bezirk Taguayni mit seinen 3 Söhnen bewirtschaftet. Von dieser Kooperative kaufen wir als Rösterei ca. 30 Sack Rohkaffee jährlich zu einem Preis, der ca. 20 % über dem aktuellen Weltmarktpreis liegt. Die Familie hat insgesamt 24 Kinder, die alle in die Schule „escuela rural mixta Aldea Taguayni“ gehen. Das Analphabetentum ist ein Riesenproblem in der Region, wie vorher schon in punkto Bio-Zertifizierung beschrieben.

Wir sind dann zur Schule gefahren, die 200 Kinder der Kooperativenfamilien–und auch die 24 der Familie von Don Jacobo- beherbergt und waren über die Zustände dort sehr schockiert. Wieder einmal haben wir festgestellt, dass es ein großer Unterschied ist, die Dinge selber in Augenschein zu nehmen, anstatt von ihnen durch Fotos oder Berichte zu erfahren. Leider haben wir bisher bei unseren Hilfsprojekten immer wieder feststellen müssen, dass ohne einen verlässlichen Partner vor Ort eine langfristige Entwicklung nicht möglich ist. Geld und Materialien verschwinden, und Verantwortliche dafür sind aus der Ferne hier in Deutschland nicht mehr auszumachen. Daher haben wir uns entschieden, zukünftig und langfristig das Kaffeeprojekt und die Kooperative von Lampocoy zu unterstützen. Hier ist über Dethlef Cordts gewährleistet, dass wirklich jeder Euro ohne Verlust dort hinkommt, wo er benötigt wird.

Als erstes werden die Sanitäranlagen der Schule komplett erneuert. Wir denken, die Fotos sagen mehr als 1000 Worte es könnten…..

Wenn dies erledigt ist, soll im nächsten Schritt die Kochstelle und der Bereich der Essenausgabe renoviert werden. Dann führte uns unsere Reise über Mexiko City nach Tapachula ins Gebiet Chiapas, wo unser mexikanischer MAYA Kaffee wächst.

Wie jedes Jahr bereitete uns Marisa, die Leiterin des Büros, im Beneficio einen herzlichen Empfang. Nach der Verkostung einiger Kaffees berichtete sie uns von einem neuen Projekt, das mit Hilfe der Regierung zur Verbesserung der Kaffeequalität und der Lebenssituation auf den Plantagen gestartet wurde. Hierfür sind wir zur Finca Allianca gefahren. Hier sind ca. 250.000 neue Kaffeepflänzchen gesetzt worden. Das Problem auf den kleinen Plantagen, die im Durchschnitt ca. 3 Hektar bewirtschaften ist, dass sie zu wenig Geld für neue Kaffeepflanzen haben. Eine Kaffeepflanze liefert optimale Qualitäten und Mengen für ca. 12 Jahre, die Pflanzen stehen aber größtenteils bis zu 50 Jahren, was erhebliche qualitative und quantitative Einbußen verursacht. Durch die Roja (Kaffeepilz) ist in Mexiko –insbesondere auf den Bio-Plantagen- ca. 50 % der Kaffeepflanzen vernichtet worden.

Die schwachen Pflanzen müssen komplett ausgetauscht werden, die stärkeren Pflanzen, die sich wieder erholen, werden aber für weitere 3 Jahre keine Kaffeekirschen tragen. Jeder Bauer, der sich nun verpflichtet, sich 4 Jahre an das Projekt zu binden –das bedeutet, sich um die Neuanpflanzung und Pflege der neuen Bäumchen zu kümmern- erhält für 4 Jahre pro Jahr und Hektar ca. 1.500 Setzlinge. Schon ab dem 3. Jahr sind die Erträge und die Qualität deutlich höher als vorher. Ohne finanzielle Unterstützung wäre dies für die Kleinstbauern nicht tragbar und würde dazu führen, dass immer mehr Plantagen verwaisen, oder auf Drogenanbau umstellen.

Am nächsten Tag besuchten wir die Bodega unserer Kooperative Tierra Nueva und sprachen mit den Vorsitzenden über die allgemeine Situation der Ernte und der Kooperative. Auch hier wurde uns ausführlich über die beängstigende Problematik der Roja geschildert. Im konventionellen Bereich wird über chemische Mittel der Kaffeepilz relativ erfolgreich eingedämmt. Dies ist bei Bio nicht möglich und vor allem auch nicht gewünscht, so dass sich die Ernte der gesamten Kooperative von ehemals 7.500 Sack auf ca. 4.500 Sack reduziert hat. Da es im Chiapas seit November 2014 nicht mehr geregnet hat, fangen die ersten Blüten an zu vertrocknen. Das bedeutet, dass hier keine neuen Kaffeekirschen mehr wachsen werden. Die Aussichten für die nächste Kaffeeernte-Periode sind daher in Verbindung mit den Folgen der Roja alles andere als rosig.

Der Kooperative gehören jetzt 253 Mitgliedsfamilien an. Die Mitglieder sind dabei, einen Teil ihrer Flächen auf den Anbau von Robusta-Kaffeepflanzen umzustellen, da diese Pflanzen komplett unempfindlich gegen die Roja sind. Der Robusta Kaffee wird ausschliesslich im inländischen Markt verkauft.

Aus den vorher bereits erwähnten Gründen und aufgrund dessen, dass mittlerweile im Chiapas eine kostenlose ärztliche Grundversorgung eingeführt wurde, halten wir es für sinnvoller, das Schulprojekt in Lampocoy langfristig zu begleiten. Auch mussten wir feststellen, dass das Vertrauen der Menschen in staatliche Einrichtungen wesentlich größer ist als in die irgendwelcher „Gringos“. Wir haben aus der Vergangenheit unsere Erfahrung gemacht, dass es sinnvoller ist, bereits bestehende Projekte zu unterstützen.

Dann haben wir uns einige Plantagen unserer Mitglieder angesehen, wie die Finca von Don Nerri Ramires. Diese Finca ist 3 Hektar groß, und hier wird als eine wirkliche Besonderheit Arabica der Varietät „Caturra“ in roten und in gelben Kirschen angebaut. Gelben Catuarra, der einen hohen Zuckeranteil im Fruchtflesich hat und dem Kaffee noch mehr Grundsüße verleiht, findet man relativ selten, da es wesentlich schwieriger ist für den Pflanzer –anhand der Farbe- den perfekten Reifegrad zu bestimmen als bei der roten Kirsche. Auf dieser Plantage wird gerade eine neues „Wohnhaus“ für Don Ramires und seine Familie errichtet. Die Kosten hierfür von ca. 15.000 Dollar werden von der Kooperative und damit der Allgemeinheit getragen.

Zum Abschluss haben wir auf der Finca „Linda Vista“ einen Jahrhunderte alten „Ceiba-Baum“ entdeckt. Dieser Baum steht auf der Plantage völlig im Weg, darf jedoch keinesfalls gefällt werden. Im Glauben der MAYA-Kultur beherbergt dieser Baum in seinen zahllosen Ästen die Seelen von den Verstorbenen. Wir finden: Ein schöner Gedanke, und wie wir im Nachgang gehört haben, soll dies auch die Inspiration für James Cameron zur Grundlage des Kinofilms „Avatar“ gewesen sein. In diesem Sinne „Saludos“.